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Kanjo Takè, SignetKanjo Také

Kanjo Také „Mikado“

12 Szenen einer Krise
25-Kanal-Projektion 2012/13

Také erkennt die Welt mit ihren Problemen in der Zuspitzung auf starke Bilder. Er fotografiert und filmt nicht nur, wo er geht und steht und was immer seine Aufmerksamkeit weckt – sein Archiv speichert Aufnahmen seit der weltweit ersten Digitalkamera, die Také 1 Jahr erobern konnte, noch bevor sie auf den Markt kam.

Mit dem digital bearbeiteten, durch Computerstift wie- pinsel malerisch bewegten Material inszeniert er seine Geschichte, die narrativ abläuft und poetisch schweift: Einen zeitkritischen Kommentar zur globalen Finanzkrise in 12 Aktionen. Také illustriert dabei weder finanztechnische noch volkswirtschaftliche Theorien. Für detailgenaue Analytiker ist sein Bilderbogen nicht gedacht. Wohl aber trifft er ein Klima, dessen destruktive Eintrübung weit über die Bankumtriebe des annus horribile 2008 hinausreicht und auch heute noch viel Schaden anrichtet.

Die Motive liefern Banknoten aus der ganzen Welt. Politikerköpfe, Adler und Falken, Nashornherden, typische Landschaften, repräsentative Gebäude, meist in Kupfer gestochen, verselbständigen sich zu eigenem Leben. Daraus erwächst das Umfeld für ein dramatisches Mikadospiel. Ein Satz Holzstäbchen wird auf den Tisch geschüttet, wer dem wirren Haufen die meisten und höchstwertigen Stäbchen ohne Wackelei entnimmt, hat gewonnen.

Dieses Spiel, Inbegriff von Risiko und Labilität, wird zur Metapher für die Dauerkrise auf dem Geldmarkt. Zwei Kämpfer, die Stäbchen wie Lanzen führen, weisen auf harte Kontroversen. Sie fechten mit ihren eigenen Schatten und deuten so eine Finanzwirtschaft an, die mit einer Immobilienkrise (das Stadtpanorama!) beginnt und dann in ihren eigenen Derivaten kreist: inmitten von Geld, mit Geld, gegen Geld. Spiel und Kampf stehen für Gewinnoptimierung und Totalverlust, geduldiges Jongliergeschick und plötzlicher Kollaps, kühles Kalkül und fiebrige Spekulationen, vor allem aber für die Folgen einer Gier, die ohne Blick auf das Ganze extremen Risiken verfällt und aus nichts lernt. Deshalb sieht Takés Prognose düster aus.

Wo losgelassene Gelddruckmaschinen und ein Münzenübersätes Universum am Anfang stehen, wo Berge von Banknoten als gewaltige Geldvernichtung in Flammen aufgehen, setzt am Ende die wundersame Geldvermehrung per Knopfdruck wieder von vorne ein. Wenigstens auf die Inflation ist Verlass.

Köln im Juli 2013 / Manfred Schneckenburger