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Kanjo Takè, SignetKanjo Také

MOFF: Haben die Dialoge mit den Künstlern Ihre Sicht auf die Kunst verändert? Ihr Kunstverständnis oder Ihren Zugang zur Kunst?

MS: Hundertprozentig ist mein Verständnis für Kunst dadurch gewachsen und erweitert worden. Ob es sich dadurch verändert hat, weiß ich nicht. Aber es ist auf jeden Fall modifiziert worden, bestätigt oder korrigiert worden. Es hat auch gewisse Schüsse vor den Bug bekommen. Und was bei mir fester Bestand für meinen Kunstbegriff ist, das ist natürlich auch immer die Frage: Ist das so, weil man es ausgesucht hat, weil man schon eine gewisse Präferenz hatte, oder weil einen die Künstler überzeugt haben, auch gegen eigene Vorurteile? Das habe ich nie so richtig auseinandergeklaubt. Weil ich denke, manche Dinge, wenn man die zu genau analytisch überdenkt, hindern einen einfach daran, noch etwas zu tun. Zu viel Analyse nach innen, Selbstanalyse oder Selbstreflexion kann auch schaden. Also ist es besser, man hält sich da naiv und wartet, was daraus wächst. Sicher hat sich meine Vorstellung von Plastik sehr stark an Künstlern wie Richard Serra, Dani Karavan oder Georg Trakas entwickelt, so wie sich mein Zugriff auf Fotografie und Computereingriffe an Kanjo Také stark orientiert. Alle diese Künstler haben eine sehr weiträumige Definition von Plastik oder ihrem Medium gehabt, arbeiten mit dem Raum, mit Plätzen, mit Richtung. Das hat meinen Begriff von Plastik sehr stark geprägt. Und der kommt von Künstlern. Oft mag ich diejenigen ausgesucht haben, die in eine bestimmtes Suchbild passen, die dann aber machten, was sie wollten, und mich restlos überzeugten. Das hat mich geprägt.

MOFF: Und gibt es Künstler, die Sie besonders beeindruckt haben?

MS: Ja, sicher. Richard Serra hat mich immer sehr beeindruckt, weil er ein genialer Gewalttäter ist. Joseph Beuyes hat mich mit seinem Charisma besetzt und durch die ungeheure Genauigkeit seiner räumlichen Kompositionen. Gerhard Richter durch seine enzyklopädisch malerische Perfektion. Von den weniger Bekannten beeindruckt mich im Moment sehr Kanjo Také. Ein deutsch-japanischer Fotokünstler, der große Installationen macht. In Bad Rothenfelde wird er das nächste Mal eine über vierhundert Meter durchlaufende Projektion auf die große Gradierwand zeigen. Die Arbeit heißt „Mikado“ und handelt von der Finanzkrise. Der Mann hat Ideen, die stimmen einfach im Kern, und gleichzeitig setzt er sie ungeheuer bildstark um. Es gibt noch jede Menge andere, aber Namen aufzulisten, macht keinen Sinn …

Ausschnitte des Interviews mit Prof. Manfred Schneckenburger im  „Moff” Magazin im Rahmen der Art-Cologne, April 2013